Bee, ein auf KI-Wearables spezialisiertes Unternehmen unter dem Dach von Amazon, hat zwei neue Produkte vorgestellt – die ersten seit der Übernahme. Das „Bee Frontier“ lässt sich am Handgelenk oder an der Kleidung befestigen und kostet 74,99 US-Dollar. Das kartenförmige „Bee Eclipse“ wird magnetisch an der Rückseite eines Smartphones angebracht und kostet 99,99 US-Dollar. Beide Geräte zeichnen Gespräche aus dem Alltag auf, fassen sie zusammen und wandeln sie in Termine und Aufgaben um. Das Frontier ist bereits bei Amazon in den USA erhältlich, das Eclipse soll in Kürze auf den Markt kommen.
Kein Aufnahmegerät, sondern ein „Sekretär“ für Gespräche
Wer KI-Aufnahmegeräte hört, denkt vielleicht vor allem an Werkzeuge, die automatisch Gesprächsprotokolle von Meetings erstellen. Bee zielt auf den nächsten Schritt. Das Gerät soll nicht nur festhalten, was gesagt wurde, sondern sich etwa merken, wann man sich mit Freunden verabredet hat, und sogar eine Kalendereinladung erstellen. Der Mehrwert liegt darin, aufgezeichnete Worte in die nächste Handlung zu überführen.
Die Einsatzmöglichkeiten beschränken sich nicht auf die Arbeit – etwa auf Notizen aus dem Unterricht oder eine Zusammenfassung des Pflegeplans, den man mit dem Arzt besprochen hat. Man kann es sich als ein Gerät vorstellen, das dabei hilft, seltener zu fragen: „Was hatten wir damals noch gesagt?“
Am Handgelenk tragen oder am Smartphone befestigen
Das Frontier wird entweder am Handgelenk getragen oder mit einer Anstecknadel an der Kleidung befestigt. Es ist in den drei Farben Onyx, Lavender und Sage erhältlich. Das Gerät ist nach IP67 wasser- und staubgeschützt, bietet eine Akkulaufzeit von bis zu sieben Tagen, wird über USB-C geladen und verfügt über zwei Mikrofone zur Rauschunterdrückung.
Das Eclipse ist etwa so groß wie eine Kreditkarte und wird magnetisch an der Rückseite eines Smartphones befestigt. Es ist in den vier Farben Silver, Midnight, Honey und Blush erhältlich. Beide Geräte haben nur eine Taste zum Ein- und Ausschalten. Während Gespräche zusammengefasst werden, leuchtet eine Kontrollleuchte. Das reduzierte Bedienkonzept dürfte darauf ausgelegt sein, dass man die Geräte tragen kann, ohne sie ständig wahrzunehmen.
Ein Schritt in den Preiswettbewerb
Mit dem Eclipse tritt Bee stärker in direkten Wettbewerb mit KI-Aufnahmegeräten wie Plaud Note und Pocket. Zum Vergleich: Das Plaud Note kostet 159 US-Dollar, das Note Pro 189 US-Dollar und das Pocket 129 US-Dollar. Mit 74,99 US-Dollar liegt das Frontier preislich darunter.
Der Preis der Hardware entscheidet jedoch nicht unbedingt allein über den Erfolg. Auch im kostenlosen Tarif sind Gesprächszusammenfassungen und ein 14-tägiges Gedächtnis verfügbar. Bee Pro für 11,99 US-Dollar im Monat bietet darüber hinaus unbegrenzte Zusammenfassungen, die Integration mit Amazon.com, Alexa+ und externen Apps, Vorschläge für Aufgaben, ein tägliches Gedächtnis, einen Assistenten im Chatformat und Gesprächsvorlagen. Das Modell ist erkennbar darauf ausgelegt, die Geräte günstig zugänglich zu machen und so eine dauerhafte Nutzung zu fördern.
Wie Gespräche zu Terminen und Aufgaben werden
Als Integrationen werden Gmail, Google Calendar und Microsoft Outlook genannt. Auf Grundlage von Gesprächsinhalten lassen sich E-Mail-Entwürfe erstellen, Meetings ansetzen und Aufgaben herausfiltern. Durch das Hochladen von Fotos und die Verbindung mit Apples HealthKit können auch Informationen zum Gesundheitszustand in Empfehlungen einfließen.
Auch die Verbindung zu Amazon wird enger. Käufe auf Amazon.com lassen sich einbeziehen, und über Alexa kann man freihändig nach Zusammenfassungen oder To-do-Listen fragen. So können Nutzer ihre Aufzeichnungen per Sprachbefehl abfragen, ohne den Smartphone-Bildschirm einzuschalten. Das Gerät zeigt deutlich, wie KI in den Hintergrund des Alltags integriert werden soll.
Zusammen mit den Geräten wurde die Smartphone-App überarbeitet; außerdem gibt es jetzt eine Desktop-App. Damit lassen sich unterwegs aufgezeichnete Gespräche leichter in die Arbeit am Computer übernehmen – auch das ist ein wichtiger Aspekt.
Voraussetzung für den Komfort: Vertrauen in die Aufzeichnung
Bei einem KI-Gerät, das man ständig bei sich hat, steht natürlich der Datenschutz im Mittelpunkt. Bee erklärt, dass die unbearbeiteten Sprachaufnahmen nicht gespeichert, sondern in Echtzeit verarbeitet und anschließend gelöscht werden. Die Transkripte werden mit einem vom Gerät erstellten und verwalteten Schlüssel verschlüsselt. Laut Bee können Dritte, darunter auch Amazon-Mitarbeiter, sie nicht einsehen, solange Nutzer sie nicht ausdrücklich teilen.
Die Verbindung mit Alexa ist optional. Wird sie aktiviert, kann das Gerät mithilfe der Stimmerkennung „Voice ID“ von Echo-Geräten erkennen, wann die betreffende Person spricht, und Gespräche aufzeichnen. Transkripte und Zusammenfassungen lassen sich laut Anbieter jederzeit löschen.
Bei einer KI, der man Gespräche anvertraut, ist nicht die Funktionsvielfalt die wichtigste Grundlage für Vertrauen. Entscheidend ist, dass Nutzer nachvollziehen können, wann etwas aufgezeichnet wird und was gespeichert bleibt. Wie viel man dem Gerät überlässt und woran man sich lieber selbst erinnert – ob man diese Grenze selbst festlegen kann, dürfte darüber entscheiden, ob solche Geräte Einzug in den Alltag halten.
Verfügbarkeit und nächste wichtige Fragen
Das Frontier ist bereits bei Amazon in den USA erhältlich. Das Eclipse soll später folgen. Da es sich um die ersten neuen Produkte seit der Übernahme durch Amazon handelt, wird besonders interessant sein, wie weit die Integration mit Alexa und Amazon.com künftig ausgebaut wird.
KI-Wearables entwickeln sich von eigenständigen Geräten zu Schnittstellen, die Termine, E-Mails, Einkäufe und Gesundheitsdaten miteinander verbinden. Die beiden Bee-Geräte kommen als Optionen auf den Markt, mit denen sich dieser Wandel ab 75 US-Dollar erleben lässt.


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